Deutscher Gewerkschaftsbund

Nord

Segelseminar 2021

Flyer Segelseminar

Drucktechnik Altona

Segeltörn der DGB-Jugend Hamburg

-> Eine Dramödie in Vier Akten <-

 

Akt 1

"Die Reise beginnt"

Auftritt der Jugendlichen. Ein malerisches kleines Fischerdorf. Es ist strahlender Sonnenschein. An einem verträumten Pier sind Möwen zu hören. Der Mast eines einzigen Schiffes ragt über alles hinweg. Mit einem breiten Schriftzug ist der Name "N o b i l e" zu erkennen. Aus einer Fußgängergasse rollt ein roter T5 Bus um die Ecke und mit nicht kleinerer Schrift erkennt man in weiß die Kennzeichnung "DGB-Jugend Nord" und ein fettes Symbol was das Zeichen der Organisation darstellen soll. Das Segelseminar hat offensichtlich begonnen und los gehts.

…So in etwa würde wohl ein Theaterstück beginnen und an dieser Stelle viele verschiedene Akteur:innen die Bühne betreten und Unmengen von Dialogen den Raum erfüllen. In der Zeit vom 17.07. bis einschließlich 22.07.2021 war die DGB-Jugend Hamburg zusammen mit der großartigen Crew der TS G514 Nobile auf der Ostsee unterwegs. Eine Fülle an erlebnisreichen Momenten liegen hinter uns und anders als man das in Romanen macht, schon hier das Ende einmal vorweg genommen: Die Feedbackrunde am Ende zeigte eindrücklich, alle hatten eine Menge Lust gehabt jetzt erst richtig durchzustarten. Nur wie kam es eigentlich zu so einer Lust am Segeln?

 

Akt 2

"Von Gross-Segeln, Wind, viel Empathie und Menschen die Ahnung von dem haben was sie tun"

Im Hafen von Eckernförde ist unsere Reise gestartet. Die Anfangsaufgaben sind meist ähnliche und dazu gehören Essenspläne erstellen, Ernährungswünsche beachten, die entsprechenden Zutaten besorgen, die ersten fremden Worte lernen (bspw. "Backschaft" = Was zur Hölle soll das denn sein?; Einen Tampen befestigen = der ist nochmal genau wo?;  Bulle, Kälbchen = Warum hat das Schiff eigentlich einen ganzen Zoo an Bord?).

Na hoffentlich wissen die alle was sie da tun? Und auch hier ein kleiner Spoiler: Sie wissen es ziemlich genau. Mit engelsgleicher Geduld hat die Crew der Nobile wieder einmal genau erklärt, was zum Segeln dazugehört. Und am Ende wussten auch alle (bzw. hatten mehr ein Gefühl dafür) was mit diesen Begriffen gemeint ist und was es bedeutet, so ein recht beeindruckend großes Traditionelles Segelschiff zu bewegen. Die Segelreise führte uns von Eckernförde, einmal quer nach Norden - bisschen Östlich und direkt nach Marstal/Ærø. Dort angekommen hieß es erst einmal  durchatmen und einmal das Groß-Segel abnehmen, um es für eine kleinere Reparatur zum örtlichen Segelmacher zu bringen. Diesbezüglich eine kleine Randbemerkung:

Kurz vor der dänischen Insel entstand in diesem ein Riss. Dieses musste für den weiteren Segeltörn wieder in Stand gebracht werden.

 

Akt 3

"Irgendwas mit Politik sollte auch dabei sein"

Die Segeltörns der DGB-Jugend Hamburg bieten neben den ganzen neuen Einblicken, Erkenntnissen und Lernerfolgen rund um die Handgriffe vom Traditionssegeln eben auch eine Menge Stoff zum Diskutieren, mit Punkten, die eher im Kosmos der "Gewerkschaftlichen Lebenswelt" behaftet sind. Kurz: Auf unserem Segeltörn haben wir uns mit einem Teil der Demokratisierung der Wirtschaft, insbesondere mit der Ausbildungsumlage sowie mit dem Recht auf Ausbildung einmal intensivst auseinandergesetzt und in einer der bezauberndsten Lernatmosphären am Pier in Marstal die Köpfe heiß geredet (Nope, das lag nicht nur am wunderschönen Sonnenscheinwetter). In Verbindung mit einem Best Practice Beispiel, der Vorstellung der Einrichtung "Sozialkasse des Berliner Baugewerbe" setzten wir uns intensivst damit auseinander, wie wir unser "wunderbares" duales Ausbildungssystem noch qualitativ verbessern können. Bei dem entsprechenden Austausch kamen die Arbeitgeber:innen, die nichts mit Ausbildung zu tun haben wollen, natürlich nicht zu kurz.  Wir beschäftigten uns dann natürlich nicht nur mit dem Ist-Zustand, sondern auch mit dem könnte, sollte, müsste, mit der Zukunft und wie wir uns diese dahingehend vorstellen würden. So schön wie das Segeln ist, so schön wie eben die Momente im Leben auch sein können -> am Ende leben wir leider noch immer in einem System, wo der Interessengegensatz zwischen Kapital und Arbeit real ist. Und ja es ist leider auch Realität, dass es tagtäglich Verstöße gegen geltende Arbeitsschutzgesetze gibt. Die Welt könnte eine andere, eine bessere sein. Allein ist es aber leider nicht so einfach, die persönlich-cleveren Ideen umzusetzen. Genau wie an Bord der Nobile ist es schlicht einfach unmöglich, allein das Groß-Segel nach oben zu ziehen. Und genauso unmöglich werden wir es schaffen, allein die Welt zu verändern. In unserem Seminar haben wir uns also gemeinsam ein System angeschaut, nachvollzogen, diskutiert und zumindest in unseren Gedanken erlebbar gemacht, welches aktuelle

Probleme wie Chancengerechtigkeit lösen könnte. Mit Quiz, Arbeitsgruppenphasen, Textarbeit und kreativen Basteleinheiten haben wir gewerkschaftliche Bildungsarbeit aktiv gestaltet.

 

Was fehlt, fragt ihr? Mehr Menschen? Im Grunde habt ihr Recht - wie der Zufall das so will schipperte am Dienstag, den 20.07. ein weiteres Traditionssegelschiff mit lauter Menschen - die IGM Jugend Küste - vor unsere erstaunten Augen im Hafen von Marstal ein. Manchmal ist das Leben einfach überraschender als jeder Roman.

Wie die Geschichte uns ja bereits gelehrt hat: Viele Revolutionen haben im Norden ihren Anfang genommen ;-).

 

Akt 4

"Ankerwache, Wenden und Segeln bis der Wind aufgibt"

Erschöpft der vielen Diskussionen war es dann endlich auch wieder an der Zeit die Segel zu hissen. Also Groß-Segel einmal abgeholt, an Baum und Gaffel angeschlagen und mit Witz den Hafen der dänischen Insel hinter uns am Horizont vergehen lassen. Zu jedem Segeltörn gehört auch bisschen Action, oder? Na dann wieder einmal in die Theoriestunde von unserer Toppsie, Aufgaben absprechen, Zuständigkeiten verteilen und einmal die Wende Richtung Steuerbord und weil es so schön war gleich die Wende Richtung Backbord hinterher :-). Immer wieder ein Erlebnis was so ein Segelschiff doch alles kann und mit macht. Nasse Füße sind hier in jedem Fall fester Bestandteil für alle diejenigen, die nicht wie das Autor:innen Team über Gummistiefel verfügt :-). Ebenfalls eine tolle Erfindung dieses Schuhwerk :-)! Naja und wie das am Ende jeder Reise so ist, kamen auch alle wieder in den Bereich des Hafens von Eckernförde. Natürlich nicht direkt - eine Ankerwache ist für uns Großstadtmenschen (viele von uns kamen aus Hamburg) ebenfalls eine Erfahrung, die nicht fehlen darf. Was genau diese Ankerwache ist - das liebe Leser:innen erlebt ihr lieber einmal selbst, z. B.  auf dem nächsten Segeltörn der DGB Jugend. Die Romantiker:innen unter uns sind auf alle Fälle zufrieden und glücklich nach Übergabe wieder in ihre Kojen gefallen. Mini-Erklärung: In Hamburg ist es leider einfach eine super Seltenheit, wirklich Sterne zu sehen (ausgenommen, man geht zur Sternenwarte). So einen richtigen Sternenhimmel, den gibt es eigentlich nur auf der Nobile ;-)!

 

Schlussbemerkung:

Die hier beschriebenen Ereignisse sind in keiner chronologischen Reihenfolge erzählt. Der Versuch mit diesem Bericht einen logisch-zeitlichen Ablauf nachzuvollziehen wird zwangsläufig zu einem völlig fehlerhaften Ergebnis führen. Wer jetzt aber Bock hat eben dieses Abenteuer tatsächlich live zu erleben -> all denen sei versichert <- die Nobile wird noch eine ganze Zeit lang über die Ostsee schippern ...schipper also doch einfach mal mit! Und wer jetzt mega Bock auf das beschriebene Politische Segelseminar hat ...dem sei versichert: Auch in den kommenden Jahren wird es genau dieses mit der DGB-Jugend Hamburg geben. Guckt das Video! Die lächelnden Gesichter sind ausnahmsweise mal nicht gestellt :-)! Augen und Ohren offenhalten + ANMELDEN! Selbst verkopfte Gewerkschafter:innen bekommen das mit dem Segeln hin :-)!

 

 

 

https://www.youtube.com/watch?v=4BsU7iqR2dU

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